Gerichtsorganisation

Aufbau der Gerichtsbarkeit

Im modernen Staat ist die Rechtssprechung vielfältig gegliedert. In Aufbau und Zuständigkeit der Gerichte spiegeln sich der Umfang des modernen Rechts und das rechtsstaatliche Bedürfnis nach umfassendem Rechtsschutz wieder. In der BRD ist die rechtsprechende Gewalt in 5 selbstständige Gerichtszweige aufgegliedert. Neben der Ordentlichen Gerichtsbarkeit gibt es die Verwaltungs-, Sozial-, Finanz- und Arbeitsgerichtsbarkeit. Der Begriff der Ordentlichen Gerichtsbarkeit erklärt sich aus der geschichtlichen Entwicklung und bedeutet keine Hervorhebung gegenüber den anderen Gerichtszweigen. Sie ist der geschichtliche Stamm, aus dem sich die übrigen Zweige der Gerichtsbarkeit entwickelt haben. Im Folgenden soll ein knapper Überblick über die Gliederung der Rechtssprechungsorgane gegeben werden.

 

Strafgerichte und Zivilgerichte

Die Ordentliche Gerichtsbarkeit umfasst Strafgerichte und Zivilgerichte. Den Strafgerichten obliegt die Anwendung des Strafrechts. Sie führen Prozesse durch, denen die Staatsanwaltschaft eine Verletzung strafrechtlicher Normen vorwirft. Die Zivilgerichte sind für die Entscheidung bürgerlicher (ziviler) Rechtsstreitigkeiten zuständig, also immer dann, wenn sich der Streitgegenstand zwischen einzelnen Bürgern (Kläger und Beklagtem) auf Vorschriften des Privatrechts bezieht (z.B. bei Streitigkeiten um die Rechte und Pflichten aus einem Mietverhältnis oder einem Kaufvertrag). Aus der Zuständigkeit der Zivilgerichte herausgenommen ist jedoch das Arbeitsrecht als ein heute besonders wichtiges Sondergebiet des Privatrechts.

 

Verwaltungsgerichte

Die Verwaltungsgerichtsbarkeit ist ein Gerichtszweig, der zuständig für Streitigkeiten zwischen den Bürgern und der Staatsgewalt ist. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit bietet den Bürgern Rechtsschutz, wenn er sich durch eine Maßnahme der öffentlichen Verwaltung in seinen Rechten verletzt glaubt. Der Vielgestaltigkeit des Verwaltungsrechts entsprechend sind die Zuständigkeiten der Verwaltungsgerichte breit aufgefächert. Verwaltungsgerichte entscheiden, wenn der Bürger bei Alltagskonflikten mit den Verwaltungsbehörden gerichtlichen Schutz begehrt (wenn z.B. die Ablehnung einer Baugenehmigung oder die Nichtversetzung eines Schülers angefochten werden). Die Verwaltungsgerichte haben zunehmend aber auch über wichtige Konflikte der politisch-gesellschaftlichen Entwicklung zu entscheiden, z.B. bei Streitigkeiten um die Genehmigung des Baus von Kernkraftwerken.

 

Finanzgerichte und Sondergerichte

Aus der allgemeinen Verwaltungsgerichtsbarkeit sind die Finanzgerichtsbarkeit und die Sozialgerichtsbarkeit ausgegliedert. Die Finanzgerichte sind bei Streitigkeiten um Verwaltungsakte der Finanzbehörden (Steuerbescheide) zuständig. Da das moderne Steuerrecht außerordentlich kompliziert ist, ist die Möglichkeit, ein Finanzgericht anzurufen, ein wichtiger Rechtsbehelf für den Bürger, der die rechtmäßige Anwendung bestimmter steuerrechtlicher Vorschriften durch das Finanzamt in seinem Fall bezweifelt. Sehr bedeutsam ist auch die Sozialgerichtsbarkeit, die bei Streitigkeiten in Angelegenheiten der Sozialversicherung (z.B. Kranken-, Renten- und Unfallversicherung) zu entscheiden hat.

 

Arbeitsgerichte

Die Errichtung einer besonderen Arbeitsgerichtsbarkeit entspricht der herausragenden Bedeutung des Arbeitslebens in der modernen Gesellschaft. In die Zuständigkeit der Arbeitsgerichte fallen Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern, die sich auf Rechte und Pflichten aus dem einzelnen Arbeitsverhältnis beziehen (z.B. Konflikte um die Lohnzahlung oder die Rechtmäßigkeit von Kündigungen). Die Arbeitsgerichte sind auch zuständig für Rechtsstreitigkeiten zwischen den Tarifvertragsparteien, also zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden (z.B. bei Konflikten um die Rechtmäßigkeit eines Streiks) und bei Konflikten um die betriebliche Mitbestimmung.

 

Instanzen

Die verschiedenen Gerichtszweige sind also Einrichtungen der Rechtsprechung für die einzelnen Gebiete des Rechts. Innerhalb der einzelnen Gerichtszweige gibt es jeweils mehrere Instanzen, die einander über- bzw. untergeordnet sind. Die Instanzen der Ordentlichen Gerichtsbarkeit sind – von unten nach oben – die Amtsgerichte, die Landgerichte, die Oberlandesgerichte und der Bundesgerichtshof. Die übrigen Gerichtszweige sind dreistufig aufgebaut, mit Ausnahme der Finanzgerichtsbarkeit, die nur zwei Instanzen hat. Besondere Verfahrensordnungen für die einzelnen Gerichtszweige regeln im Einzelnen, welche Instanz zuständig ist, wenn eine bestimmte Rechtsangelegenheit vor Gericht gebracht werden soll. Diese Regelungen richten sich nach der Art und Bedeutung der betreffenden Angelegenheit und sind im Einzelnen sehr kompliziert. Die Instanzen der einzelnen Gerichtszweige unterscheiden sich auch hinsichtlich der personellen Zusammensetzung der Gerichte (Zahl der Richter, Mitwirkung von Laienrichtern).

 

Das Verfahrensrecht ist deshalb so kompliziert, weil es auf die Besonderheiten der jeweils anhängigen Rechtsstreitigkeit abstellen muss. Es ist sehr wichtig, weil es der Rechtssicherheit dient und Willkür ausschließt. Die Verfahrensgesetze regeln die Einleitung des Gerichtsverfahrens, den Ablauf des Prozesses und die Beweiserhebung, das Zustandekommen des Urteils und die Voraussetzungen für die Anrufung eines übergeordneten Gerichts (einer übergeordneten Instanz) nach ergangenem Urteil.

 

Der letztgenannte Punkt ist für die Rechtsprechung im Rechtsstaat besonders wichtig. Die an einem Prozess Beteiligten haben grundsätzlich die Möglichkeit, ein gerichtliches Urteil anzufechten, um es durch ein Gericht der höheren Instanz nachprüfen zu lassen. Der Fall wird dann von einer bzw. zwei weiteren Instanzen überprüft.

 

Berufung und Revision

Die wichtigsten Rechtsmittel, die den Prozessbeteiligten dafür zur Verfügung stehen, sind die Berufung und die Revision. Bei der Berufung wird die angefochtene Gerichtsentscheidung von der höheren Instanz sowohl hinsichtlich des Sachverhalts als auch unter rechtlichen Gesichtspunkten überprüft, also im Ganzen neu aufgerollt. Bei der Revision hingegen wird der zugrunde liegende Sachverhalt nicht erneut überprüft; es wird vielmehr nur geprüft, ob das untergeordnete Gericht das Recht in dem betreffenden Fall richtig angewandt hat. Revisionsgerichte sind in der Regel die obersten Gerichtshöfe eines jeden Gerichtszweiges.

 

Die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen ein ergangenes Gerichtsurteil einzulegen, ist unter zwei Gesichtspunkten für die rechtsstaatliche Ordnung bedeutsam. Zum einen erhalten gerichtliche Entscheidungen, wie alle menschlichen Erkenntnisse, die Möglichkeit von Fehlern und Irrtümern. In ihrer Überprüfung durch ein höheres Gericht liegt die Chance, mögliche Fehler zu korrigieren und damit den Rechtsschutz zu verstärken. Dies ist im Einzelfall für den Betroffenen von ausschlaggebender Bedeutung. Zum anderen soll die Überprüfung von Rechtsfragen durch ein höheres Gericht einer Zersplitterung des Rechts entgegenwirken, die ja wegen der Mehrdeutigkeit vieler rechtlicher Begriffe möglich wäre. Die Revisionstätigkeit der obersten Gerichte dient der Vereinheitlichung der Gesetzesauslegung und damit der gleichen Anwendung des geltenden Rechts.

 

Wirksamkeit des Rechtsschutzes

Die breite Auffächerung des Justizsystems bezweckt im Ganzen gesehen einen möglichst sachgerechten und lückenlosen Rechtsschutz. Ihre Kehrseite liegt aber in einer gewissen Schwerfälligkeit der Rechtsprechung und in deren Undurchsichtigkeit für den einzelnen Bürger. Es wird befürchtet, dass die Kompliziertheit der verschiedenen Rechtswege und auch das Risiko hoher Prozesskosten Barrieren sind, die für sozial schwächere Bürger den Zugang zu den Gerichten erschweren, während gleichzeitig der Geschäftsanteil bei den Gerichten immer größer wird. Oft mindert die lange Prozessdauer durch die verschiedenen Instanzen hindurch die tatsächliche Wirksamkeit des Rechtsschutzes. Die beabsichtigte Entlastung der Justiz und die Vereinfachung des Gerichtsverfahrens dürfen jedoch keine Verminderung des Rechtsschutzes zur Folge haben.

 

Sozialgerichtsbarkeit

Das Sozialgericht ist das Landesgericht der Sozialgerichtsbarkeit zur Entscheidung im ersten Rechtszug über alle Streitigkeiten, für die der Rechtsweg in diesem Gerichtszweig offen steht. Es besitzt Kammern mit einem Berufsrichter als Vorsitzenden und zwei ehrenamtlichen Richtern. Es besteht kein Vertretungszwang. Die Sozialgerichtsbarkeit ist ein besonderer Verwaltungsgerichtszweig für Entscheidungen über öffentlich-rechtliche Streitigkeiten in Angelegenheiten der Sozialversicherung, des Arbeitsförderungsgesetzes, des Kindergeldgesetzes, der Feststellung der Minderung der Erwerbsfähigkeit und der Ausstellung von Ausweisen für Schwerbehinderte und der Ausbildungsförderung. Es bestehen drei Rechtszüge:

 

Sozialgericht (Klage)

Landessozialgericht (Berufung, Beschwerde)

Bundessozialgericht (Revision, für bestimmte Klagen auch erste Instanz)

 

Der Rechtsschutz wird auf Klage gewährt. Vorverfahren und Gerichtsverfahren sind grundsätzlich kostenfrei.

 

Beispiel:

Frau Doris Sanders erlitt einen Berufsunfall und hat seither ständige Kopfschmerzen. Der Berufsunfall wurde vom Unternehmen der zuständigen Berufsgenossenschaft innerhalb der Frist von 3 Tagen sofort gemeldet. Die Berufsgenossenschaft teilt Frau Sanders aufgrund einer Nachuntersuchung des Vertrauensarztes der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) mit, dass ihre andauernden Kopfschmerzen nicht auf den Unfall zurückzuführen, sondern durch eine körperliche Veranlagung von Frau Sanders bedingt seien. Es liege nur ein zufälliges Zusammentreffen zeitlicher Art mit dem Unfall vor. Frau Sanders hat nun die Wahl, ob sie im vorliegenden Fall sofort das Sozialgericht anrufen will oder zunächst die Nachprüfung des beanstandeten Verwaltungsaktes im Vorverfahren herbeiführen will. Frau Sanders erhebt Klage bei ihrem zuständigen Sozialgericht gegen die Berufsgenossenschaft wegen Leistung einer Unfallrente.

 

  • 57 Sozialgerichtsgesetz (SGG)

(1) Örtlich zuständig ist das Sozialgericht, in dessen Bezirk der Kläger zur Zeit der Klageerhebung seinen Sitz oder Wohnsitz oder in Ermangelung dessen seinen Aufenthaltsort hat; steht er in einem Beschäftigungsverhältnis, so kann er auch vor dem für den Beschäftigungsort zuständigen Sozialgericht klagen. Klagt eine Körperschaft oder Anstalt des öffentlichen Rechts, in Angelegenheiten nach dem Elften Buch Sozialgesetzbuch ein Unternehmen der privaten Pflegeversicherung oder in Angelegenheiten des sozialen Entschädigungsrechts oder des Schwerbehindertenrechts ein Land, so ist der Sitz oder Wohnsitz oder Aufenthaltsort des Beklagten maßgebend, wenn dieser eine natürliche Person oder eine juristische Person des Privatrechts ist.

 

Arbeitsgerichtsbarkeit

Arbeitsgerichtsbarkeit ist der Zweig der Gerichtsbarkeit, in dem die Rechtsstreitigkeiten aus dem Arbeitsrecht (sog. Arbeitssachen) auf der Grundlage des Arbeitsgerichtsgesetzes zugewiesen sind. Die Arbeitsgerichtsbarkeit wird durch die Arbeitsgerichte, Landesarbeitsgerichte und das Bundesarbeitsgericht ausgeübt. Die Gerichte der Arbeitsgerichtsbarkeit entscheiden bürgerliche Rechtsstreitigkeiten zwischen Tarifvertragsparteien oder zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern aus dem Arbeitsverhältnis (auch über dessen Bestehen) sowie aus unmittelbar damit zusammenhängenden Rechtsverhältnissen im Urteilsverfahren, die Angelegenheiten des Betriebsverfassungsrechts, der Mitbestimmung oder der Tariffähigkeit im Beschlussverfahren.

 

Das Arbeitsgericht ist das für Arbeitssachen im ersten Rechtszug zuständige Gericht der Arbeitsgerichtsbarkeit. Beim Arbeitsgericht werden Kammern mit je einem Berufsrichter als Vorsitzenden und zwei ehrenamtlichen Richtern eingerichtet. Das Arbeitsgericht entscheidet im Urteils- oder Beschlussverfahren. Gegen seine Entscheidungen ist Berufung oder Beschwerde zum Landesarbeitsgericht sowie Sprungrevision zum Bundesarbeitsgericht zulässig.

 

Beispiel:

Der Angestellte Joachim Spengler erhält von seinem Arbeitgeber ein Kündigungsschreiben per Einschreiben zugeschickt. In dem Schreiben steht u.a.:

 

„Ich bin durch die augenblickliche Geschäftlage gezwungen, den Betrieb einzuschränken. Da Ihre Mitarbeit im Wesentlichen den Einkauf betrifft, bei dem der Arbeitsanfall erheblich zurückgegangen ist, bin ich leider gezwungen, auf Ihre weitere Mitarbeit zu verzichten. Ich bedaure es sehr, dass eine Weiterbeschäftigung Ihrerseits nicht möglich ist, und spreche hiermit die Kündigung aus. Für Ihr weiteres Fortkommen wünsche ich Ihnen alles Gute. Sollten sich die geschäftlichen Verhältnisse wieder bessern, so werde ich selbstverständlich Ihre Wiederbeschäftigung in Erwägung ziehen. Sie werden ausreichend Gelegenheit bekommen, während Ihrer auslaufenden Arbeitszeit sich nach einem anderen Arbeitsplatz umzusehen.“

 

Herr Spengler entscheidet sich, eine Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht einzureichen, da er der Meinung ist, dass die Kündigung sozial ungerechtfertigt ist.

 

Finanzgerichtsbarkeit

Sie ist die besondere Verwaltungsgerichtsbarkeit und in der Finanzgerichtsordnung geregelt. Die Finanzgerichtsbarkeit wird in den Ländern durch die Finanzgerichte als obere Landesgerichte, im Bund durch den Bundesfinanzhof ausgeübt. Die Finanzgerichte sind zuständig insbesondere für Klagen gegen Finanzbehörden in öffentlich-rechtlichen Streitigkeiten über Abgabenangelegenheiten, über berufsrechtliche Streitigkeiten usw. Wie bei den Verwaltungsgerichten können Anfechtungs-, Verpflichtungs-, allgemeine Leistungs- und Feststellungsklagen erhoben werden. Regelmäßig muss ein Einspruchs- oder Beschwerdeverfahren der Klage vorhergehen. Das Finanzgericht entscheidet in der Regel nach mündlicher Verhandlung durch Urteil, kann aber auch ohne Verhandlung einen Vorbescheid erlassen, gegen den mündliche Verhandlung beantragt werden kann. Die Senate der Finanzgerichte sind mit drei Berufs- und zwei ehrenamtlichen Richtern besetzt. Die Revision gegen Finanzgerichtsurteile, über die der BFH entscheidet, setzt einen Streitwert von mehr als 5.000 € voraus oder aber Zulassung wegen grundsätzlicher Bedeutung der Sache, wegen Abweichung von einer Entscheidung des BFH oder wegen eines Verfahrensmangels. Vor dem BFH besteht Vertretungszwang, nicht dagegen vor den Finanzgerichten. Vertretungsberechtigt sind Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.

 

Verwaltungsgerichtsbarkeit

Verwaltungsgerichtsbarkeit ist die Rechtssprechung in Angelegenheiten der öffentlichen Verwaltung. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit wird durch unabhängige, von den Verwaltungsbehörden getrennte Gerichte ausgeübt. Diese werden in den Ländern als Verwaltungsgerichte und Oberverwaltungsgerichte errichtet, im Bund das Bundesverwaltungsgericht mit dem Sitz in Leipzig. Das Verwaltungsgericht ist die erste Instanz der Verwaltungsgerichtsbarkeit. Die Verwaltungsgerichte werden durch Landesgesetz errichtet. Beim Verwaltungsgericht werden Kammern gebildet, die in der Besetzung von drei Berufs- und zwei ehrenamtlichen Richtern entscheiden. Das Verwaltungsgericht entscheidet im ersten Rechtszug über alle Streitigkeiten, für die der Verwaltungsrechtsweg offen steht.

 

Gerichtliche Zuständigkeit

Welches Gericht im einzelnen Fall, insbesondere in einem Rechtsstreit die Gerichtsbarkeit auszuüben hat, bestimmt sich nach folgenden Gesichtspunkten:

 

  1. Sachliche Zuständigkeit: Sie ist Prozessvoraussetzung, nach ihr bestimmt sich, welches Gericht in erster Instanz den Rechtsstreit seiner Art nach zu erledigen hat. Das ist i.d.R. das Amts-, Land-, Arbeits-, Verwaltungs-, Finanz- oder Sozialgericht, nur ausnahmsweise ein oberes Gericht.

 

  1. Die örtliche Zuständigkeit: Der Gerichtsstand ist ebenfalls Prozessvoraussetzung. Nach der örtlichen Zuständigkeit regelt sich, welches sachlich zuständige Gericht wegen seines Sitzes den Rechtsstreit zu erledigen hat. Hierfür ist der Gerichtsbezirk maßgebend. Die örtliche Zuständigkeit wird in erster Linie durch die ZPO, VwGO und SGG bestimmt.

 

  1. Die funktionelle Zuständigkeit bezieht sich darauf, welches Rechtspflegeorgan in ein und demselben Rechtsstreit tätig zu werden hat. Darunter fällt auch die Zuständigkeit als Rechtsmittelgericht, die sich aus der Überordnung der Gerichte ergibt.

 

 

 

Aufgaben

 

  1. Nennen Sie die fünf selbstständigen Gerichtszweige in der BRD, die für die einzelnen Gebiete des Rechts zuständig sind. Kennzeichnen Sie in diesem Zusammenhang auch die unterschiedlichen Instanzen der verschiedenen Gerichtszweige.

 

  1. Ordnen Sie den einzelnen Gerichtszweigen beispielhaft entsprechende Verfahren bzw. Zuständigkeiten zu.

 

  1. Nennen Sie die beiden Rechtsmittel, die den Beteiligten in einem Gerichtsverfahren grundsätzlich zur Verfügung stehen, um ein Urteil anzufechten. Worin  unterscheiden sich diese beiden Rechtsmittel?

 

  1. Welche Bedeutung haben diese Rechtsmittel in unserem Rechtssystem?

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgaben:

  1. Welche Gerichte sind in den folgenden Fällen zuständig?

 

Situation 1

Der Arbeitgeberverband Nordmetall ist der Auffassung, dass ein von der IG Metall ausgerufener Warnstreik unrechtmäßig ist.

 

Situation 2

Herr Phillipsen hat bei Ikea einen Teppich im Sonderangebot erworben, Preis 48,00 €. Zu Hause angekommen, stellt er fest, dass der Teppich nach Ausrollen in der Wohnung nach Gummi und Lösungsmitteln riecht. Ikea ist nicht bereit, den Teppich zurückzunehmen, da es sich um ein Sonderangebot handelt. Daraufhin will Herr Phillipsen Ikea verklagen.

 

Situation 3

Herr Robert Spengler ist seit kurzem pensioniert worden. Mit dem Rentenbescheid, den er von der BfA erhalten hat, ist er nicht einverstanden. Er ist der Meinung, dass er eine höhere Rente bekommen müsse.

 

Situation 4

Frau Veronika Jakob hat vom zuständigen Finanzamt einen Steuerbescheid erhalten, gegen den sie Widerspruch eingelegt hat. Der Widerspruch wurde vom Finanzamt mit entsprechender Begründung abgelehnt. Frau Jakob möchte nun gerichtlich gegen den erhaltenen Steuerbescheid vorgehen.

 

Situation 5

Die Nordbank hat den Mitarbeiter Klaus Erbis aus betriebsbedingten Gründen gekündigt. Der Betriebsrat wurde rechtzeitig von der Kündigung informiert. Der Betriebsrat widerspricht der Kündigung fristgerecht mit der Begründung, dass die Kündigung sozial nicht gerechtfertigt sei. Herr Erbis möchte nun gegen seinen Arbeitgeber eine Kündigungsschutzklage einreichen.

 

Situation 6

Die Familie Mertens besitzt ein unbebautes Grundstück in entsprechender Lage. Das Grundstück soll nun mit einem Einfamilienhaus bebaut werden. Das zuständige Bauamt hat die Baugenehmigung nicht erteilt. Familie Mertens will sich nun gegen die Ablehnung des Bauantrags zur Wehr setzen.

 

Situation 7

Der Hauseigentümer Ulrich Pedak hat seinem Mieter Kronberg ein Mieterhöhungsschreiben zugesandt. Herr Kronberg akzeptiert die Mieterhöhung um 10% (100 €) nicht und verweigert die Zahlung der erhöhten Miete. Herr Pedak will nun die Mieterhöhung einklagen.

 

Situation 8

Die geschiedenen Eheleute Florian und Franziska Dornfelder können sich über  die Besuchsregelung des gemeinsamen 7-jährigen Kindes Veronika außergerichtlich nicht einigen. Der Kindesvater strebt jetzt eine gerichtliche Regelung an.

 

  1. Wodurch unterscheiden sich öffentliches und privates Recht?

 

Öffentliches Recht – Privatrecht

Die Rechtsnormen werden eingeteilt in öffentliches und privates Recht. Das öffentliche Recht regelt das Verhältnis des Einzelnen zum Staat und den übrigen Trägern öffentlicher Gewalt sowie das Verhältnis der Verwaltungsträger zueinander. Dazu gehören Staat-, Völker-, Kirchenrecht, Strafrecht, Zivilprozessrecht, Strafprozessrecht, Steuerrecht, Sozial- und Sozialversicherungsrecht u.a.m. Das Privatrecht regelt die Rechtsbeziehungen der einzelnen zueinander. Dazu gehören insbesondere die Bestimmungen des BGB und seiner Ergänzungsgesetze (Ehegesetz, Verschollenheitsgesetz usw.; siehe BGB), das Handels-, Wechsel-, Scheck- und Wertpapierrecht, das Urheber- und Erfinderrecht, das Privatversicherungsrecht.

 

Grundsätzlich unterscheiden sich öffentliches und privates Recht dadurch, dass im öffentlichen Recht der Einzelne dem Staat untergeordnet ist, während im Privatrecht die Beteiligten einander gleich geordnet sind. Auch öffentliche Rechtsträger, z.B. Länder, Gemeinden, können sich auf  privatrechtlicher Ebene gleich geordnet gegenübertreten – etwa beim Abschluss von Nutzungsverträgen. Manche Rechtsgebiete enthalten sowohl öffentlich-rechtliche wie privatrechtliche Normen, insbesondere das Arbeitsrecht.

 

 

 

 

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